Das Werk Johann Sebastian Bachs

Es gibt verschiedene Ansätze, das umfangreiche Schaffen Johann Sebastian Bachs systematisch zu ordnen. Bereits im Nekrolog von 1754 wurde ein erster Überblick über das Werk des Komponisten gegeben. Zum Teil darauf basierend, strebte Johann Nikolaus Forkel, der 1802 die erste Biografie J. S. Bachs veröffentlichte, eine vollständigere Werkaufzählung an. Beide Auflistungen müssen als unvollständig gelten, verzeichnen aber auch heute verschollene Werke und sind deshalb eine wichtige Quelle der Bach-Forschung.
Die Höhe der Verluste an Bachschen Kompositionen, die insbesondere durch die Aufteilung des Erbes nach seinem Tod hervorgerufen wurden, ist in den verschiedenen musikalischen Gattungen recht unterschiedlich und lässt sich nur schwer beziffern. Nachvollziehbar ist, dass vor allem die bereits zu Lebzeiten gedruckten und die oft kopierten Werke die Jahrzehnte nach Bachs Tod überdauern konnten.

Dem Einsatz einzelner Persönlichkeiten des frühen 19. Jahrhunderts – wie etwa Felix Mendelssohn Bartholdy mit seiner Wiederaufführung der Matthäus-Passion (1829) – ist es zu verdanken, dass in dieser Zeit die Grundlage für eine intensivere Beschäftigung mit dem Bachschen Werk gelegt wurde. Anlässlich des 100. Todestages J. S. Bachs im Jahr 1850 wurde in Leipzig schließlich die Bach-Gesellschaft mit dem Ziel gegründet, eine wissenschaftlich-kritische Gesamtausgabe der Werke Bachs herauszugeben, für die sämtliche verfügbaren Quellen herangezogen werden. Die Arbeiten an dieser (alten) Bach-Ausgabe wurden mit der Herausgabe des 46. Bandes im Jahr 1899 abgeschlossen. Entsprechend dem nun erreichten Ziel löste sich die Bach-Gesellschaft auf und gründete sich als „Neue Bachgesellschaft“ mit dem Ziel, alle Werke Bachs durch Aufführungen einem breiten Publikum bekannt zu machen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war aufgrund neuer Quellenfunde und anderer Erkenntnisse aber klar, dass auch eine neuerliche Überarbeitung der Werkausgabe unumgänglich sein würde. Im Jahr des 200. Todestages Bachs, 1950, wurde mit den Arbeiten an der Neuen Bach-Ausgabe (NBA) begonnen. Der letzte Band dieser Gesamtedition konnte 2007 im Rahmen des Bachfestes Leipzig feierlich vorgestellt werden.

Um das trotz aller erkennbaren Verluste sehr umfangreiche Werk Bachs zu ordnen, entwickelte der Bibliothekar und Musikwissenschaftler Wolfgang Schmieder 1950 das Bach-Werke-Verzeichnis (BWV). Es ist die heute wohl bekannteste und gebräuchlichste Variante zur Ordnung des Bachschen Schaffens. Das BWV ist thematisch geordnet. Bei den geistlichen Kantaten folgte Schmieder der Reihenfolge der (alten) Bach-Ausgabe, deren Nummerierung sich bereits eingebürgert hatte; die weiteren Werkgruppen beginnen zunächst mit Zyklen (soweit existent) oder sonst repräsentativeren Gruppen und lassen danach einzeln überlieferte Werke folgen. Seit seiner Einführung hat das BWV einige Erweiterungen und Korrekturen erfahren, ist aber in seiner Grundstruktur unverändert geblieben. Bachs Werke sind in Gruppen gefasst und anschließend fortlaufend nummeriert worden. Da inzwischen weitere Bachsche Werke aufgefunden wurden, andere hingegen wegfielen, ist die Nummerierung teilweise lückenhaft und nach der Nummer 1080 um Werke ergänzt, die außerhalb der eigentlich passenden Nummernbereiche stehen. Ferner existiert ein mehrteiliger Verzeichnisanhang mit zweifelhaften Werken.

Ein neues Werkeverzeichnis ist das von den Musikwissenschaftlern Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff herausgegebene Bach-Compendium (BC). Bisher erschienen hier vier Bände zu den Vokalwerken. Es bietet eine ähnliche Einteilung nach Werkgattungen wie das BWV, bringt aber die Werke in eine andere Reihenfolge: bei den Kantaten folgt die Ordnung dem Kirchenjahr, bei Vorliegen mehrerer Fassungen einer Kantate sind dieselben chronologisch geordnet nach den zum Erscheinungsdatum des Compendiums aktuellen Forschungsergebnissen.

Um mit den erhaltenen Quellen des Bachschen Werkes zu recherchieren, bietet das Internet komfortable Möglichkeiten. So können unter Bach Digital sämtliche verfügbaren Originalschriften zu einem Werk, die mitunter an unterschiedlichsten Orten der Welt aufbewahrt werden, als Scan auf dem Bildschirm nebeneinander betrachtet und verglichen werden.

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